Der Sonntag, an dem die Ausreden ausgehen
Glauben Sie niemandem, der von einem ruhigen Nachmittag spricht
Es gibt sie, diese Spieltage, die hinterher niemand mehr erinnert. Dieser hier wird keiner davon. Die Tabelle der Nordkanal Football League steht so dicht gestaffelt, dass ein einziger Sonntag die ganze Ordnung umwirft: Wer jetzt oben sitzt, blickt am Abend womöglich nach hinten, und wer unten steht, verliert vielleicht den Anschluss, den er bis zum Mittag noch hat. Woche 5, und es geht überall um alles — auch dort, wo die Bilanzen bescheiden aussehen.
Die Bees brauchen Rat, und der Ratgeber spielt gegen sie
Die Bees warten weiter auf ihren ersten Sieg, und sie warten mit einer Miene, als handle es sich um eine Wetterlage und nicht um einen Zustand. Nach außen: nichts. Innen läuft längst eine Rechnung mit, die niemand zu sehen bekommt — darauf würde ich wetten. Nun stehen ihnen ausgerechnet die Bartgeier gegenüber, die jedem helfen, der fragt, und zwar auch dem Mann, der ihnen am Sonntag gegenübersteht. Sollte also vor Fristende eine Nachricht eintreffen, in der steht, welcher Reservist der Bees eigentlich vor dem Mann stehen müsste, der gerade aufgestellt ist: Das ist keine Falle. Das ist ernst gemeint, und genau darin liegt die Grausamkeit dieser Partie. Die Bartgeier können diesen Nachmittag verlieren, ohne dass es sie oben etwas kostet. Die Bees können es nicht. In der Kabine hält man den Ton trotzdem flach: „Wir machen nichts anders als sonst.” Eben das ist das Problem.
Eine alte Rechnung bekommt endlich einen Nachmittag
Es gibt in dieser Liga einen Streit, der nicht sterben will, und er dreht sich um eine Draftrunde und eine Position. Sie kennen ihn, Sie haben ihn mitgelesen, vermutlich öfter als Ihnen lieb war. Am Sonntag sitzt der Ankläger dem Angeklagten gegenüber, und zwar in der unbequemsten Konstellation, die der Spielplan hergibt: Der Ankläger führt die Tabelle an, der Angeklagte steht im hinteren Drittel. Verliert der Tabellenführer, taugt die ganze schöne Beweisführung für eine Woche nichts. Verliert der andere, hört er sich alles noch einmal an, diesmal mit Fußnoten. Dazu die Arbeitsweisen: Die Destroyers haben ihren Kader seit dem Draft nicht angerührt — nennen Sie es Prinzip, nennen Sie es Trotz. Die Flacons haben in derselben Zeit zehnmal nachgelegt und stehen vermutlich auch in dieser Nacht wieder am Waiver. Nur der Verlierer wird sich hinterher erklären. In der sportlichen Leitung der Destroyers klingt das wie ein Programm: „Im Sommer haben wir alles richtig gemacht. Das halten wir jetzt aus.”
Die Bescheidenheit stößt an ihre Grenze
Hier wird es eng im besten Sinne. Die Alpacas stehen vor den Cowboys, aber nur um Haaresbreite, und der Sieger dieses Nachmittags schiebt sich an die Spitzengruppe heran, während der Verlierer plötzlich wieder nach unten schaut. Das Pikante ist die Tonlage. Die Alpacas erzählen seit Jahr und Tag, sie seien das schwächste Team im Feld, und müssen diese Behauptung inzwischen gegen die eigene Bilanz verteidigen — drei Siege lassen sich schlecht wegreden. Die Cowboys halten dagegen, indem sie den Gegner vorab zum Geschenk erklären, laut und ausführlich und mit einer Begründung, die länger dauert als die Partie. Ich habe das gelesen. Ich traue dem nicht. Ein langjähriger Anhänger der Alpacas sagt es so: „Er redet sich so lange klein, bis es zu spät ist, ihn zu unterschätzen.”
Der Paragraf gegen den Paragrafen
Und dann die Begegnung, auf die diese Liga juristisch am besten vorbereitet ist. Der Commissioner, der jede Lücke schließt, sobald er sie bemerkt, trifft auf den Mann, der sein Regelwerk flüssiger zitiert als er selbst. Beide stecken im Mittelfeld fest, beide mit ausgeglichener Bilanz, und keinem von ihnen steht das. Die Cannibals tragen dabei den Titel der vergangenen Saison mit sich herum, und der hängt gerade eher als Erwartung am Hals denn als Schmuck; ein Meister, der sich durch die Tabelle nach oben arbeiten muss, ist ein gereizter Meister. Die Maximizers wiederum reden über ihre eigene Lage, als läse ihnen jemand Ergebnisse aus einer fremden Liga vor. Das kann Gelassenheit sein. Es kann auch ein sehr gut sitzender Anzug sein. Vom Betreuerstab der Maximizers ist dazu nur zu hören: „Wir melden uns, wenn es etwas zu melden gibt.”
Worauf ich am Sonntag zuerst schaue
Auf die Destroyers und die Flacons. Nicht weil die Tabelle es verlangt — sie verlangt eher das Gegenteil, denn Spitze gegen hinteres Drittel verspricht auf dem Papier wenig. Sondern weil hier ein Streit, der sonst im Ligachat verhandelt wird, endlich auf dem Feld entschieden wird, und weil ein Tabellenführer, der am Sonntag stolpert, diese ganze Liga wieder ins Rutschen bringt. Gewinnen die Destroyers, ist die schönste Rechnung der Liga für eine Woche wertlos, und das weiß ihr Urheber. Gewinnen die Flacons, bekommen wir bis Mittwoch eine Aufarbeitung mit Schaubildern. Stellen Sie sich darauf ein. Auf der Tribüne hört man dazu die nüchternste Einschätzung der Woche: „Einer von denen redet danach nicht mehr über den Draft. Welcher, das weiß keiner.”